Gruppe sitzt nachts im Wald um ein Lagerfeuer
Slawske, 2024–2026

Unser Ansatz ist bereits erprobt

Von 2024 bis 2026 führt die NGO Art Dialogue in Slawske in der Region Lwiw ein Pilotprogramm zur psychologischen Rehabilitation von Frauen durch, die vom Krieg betroffen sind.

Das Programm bietet Frauen, die unter den psychischen und sozialen Folgen des Krieges leiden, über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren wiederkehrende intensive Therapieaufenthalte, um Kriegstraumata langfristig zu behandeln und ihre psychische Stabilisierung und Rehabilitation zu unterstützen.

Teilgenommen hat eine Gruppe von sieben Frauen, die viele Jahre in russischer Gefangenschaft verbracht, die Bombardierung von Asowstal erlebt und die Belagerung von Mariupol überstanden haben. Die Teilnehmerinnen konnten ihre Lebensqualität deutlich verbessern, psychische Stabilität zurückgewinnen und ihr Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken.

Frauen sitzen im Kreis auf dem Boden eines hellen Holzraums bei einer Therapiesitzung
Therapeutisches Konzept

Therapie im Kreis — und in der Natur

Das Konzept basiert auf den Prinzipien der Integrativen Therapie und verbindet Gruppen- und Einzeltherapie, Gestalttherapie sowie körperorientierte Verfahren der Traumatherapie. Ziel ist es, die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen zu unterstützen und die psychische, emotionale und körperliche Selbstregulation zu fördern.

Stimmen der Teilnehmerinnen

Was die Frauen über das Programm sagen

„Ich bin in dieses Projekt gekommen, ohne innere Kraft. Ehrlich gesagt war ich emotional völlig erschöpft, nachdem ich in meinem Leben alles verloren hatte. Dabei geht es nicht nur um materielle Dinge, die ich während der Belagerung von Mariupol verloren habe, sondern auch um das Gefühl von Sicherheit und den Wunsch zu leben. Nach dem Angriff auf das Geburtskrankenhaus im März 2022, wo ich einen Tag zuvor meine Tochter Anna zur Welt gebracht hatte, sah ich keinen Weg, wie es weitergehen sollte.

Nach allem, was ich erlebt habe, war in mir viel Angst, Anspannung und Unsicherheit – ein Zustand, in dem man zwar lebte, aber keinen Halt spürte. Und genau hier, in diesem Raum unseres Projekts, gemeinsam mit den anderen Frauen und unseren Psychologinnen, begann für mich ein sehr stiller, aber tiefer emotionaler und mentaler Heilungsprozess. Nicht plötzlich und nicht sichtbar für alle – sondern langsam, Schritt für Schritt, indem ich wieder ein Gefühl für mich selbst zurückgewonnen habe. Ich begann, meine eigenen Emotionen wieder zu spüren, statt sie nur zu kontrollieren. Während dieses Projekts haben sich viele Dinge in mir verändert. Ich begann, meinen eigenen Wert zu spüren. Ich traf sehr schwierige Entscheidungen.“

Oleksandra (der Name wurde geändert)

„Nach der Belagerung von Azovstal habe ich den Verlust meines Mannes erlitten, wurde selbst verwundet und habe Gefangenschaft durchgestanden. Diese Zeit war extrem belastend und hat tiefe Spuren hinterlassen. Nichts daran war einfach. Umso wichtiger war es für mich, in dieser Phase nicht allein zu sein, sondern von einfühlsamen und professionellen Psychologinnen und Psychologen begleitet zu werden. Für mich bedeutet diese Unterstützung vor allem eines: Stabilität. Ich habe gelernt, meine eigenen Reaktionen besser zu verstehen, meine Gefühle einzuordnen und Wege zu finden, mit ihnen umzugehen. Ich bin ruhiger geworden, etwas gefestigter. Es ist wieder ein Stück innere Kraft zurückgekehrt – genug, um weiterzumachen und nach vorne zu schauen. Durch die Unterstützung habe ich Werkzeuge an die Hand bekommen, die mir helfen, mit diesen Phasen besser umzugehen. Es ist, als hätte sich ein kleiner Raum geöffnet, in dem wieder Hoffnung und Zuversicht Platz finden.“

Anna (der Name wurde geändert)

„Die Jahre der Gefangenschaft haben tiefe Spuren hinterlassen. Ich habe Gewalt, Demütigung und Erfahrungen durchlebt, die sich kaum in Worte fassen lassen und die mich als Mensch stark verändert haben. Vieles davon trage ich bis heute in mir. Gerade deshalb war es am Anfang unglaublich schwer, überhaupt wieder Vertrauen zu fassen – in die Welt, in andere Menschen und auch in mich selbst. Während der Therapie habe ich zum ersten Mal gespürt, dass ich mit all dem nicht allein bin. Durch die Unterstützung der Fachkräfte konnte ich beginnen, über das Erlebte zu sprechen. Ich habe gelernt, meine Reaktionen besser zu verstehen, meine Gefühle nicht mehr zu verdrängen und ihnen Raum zu geben, ohne daran zu zerbrechen. Mit der Zeit kam langsam etwas zurück, das ich lange nicht gespürt hatte: ein Gefühl von innerer Ruhe und ein kleines Stück Sicherheit. Ich habe wieder angefangen, einfache Dinge des Alltags zu leben – einen Rhythmus zu finden, mit Menschen zu sprechen, überhaupt wieder an eine Zukunft zu denken. Dinge, die früher selbstverständlich waren, haben sich wie große Schritte angefühlt.“

Sascha (der Name wurde geändert)